Mittwoch, 8. Februar 2017

Rudel di du dödel du.




Aus gegebenem Anlass – „Hinten ist alles okeeeeeeeeeee!" – eine aktualisierte Fassung des Rudlerbeitrags vom 5. Dezember 2014:


Eines schönen Herbsttages im Jahre des Herrn 2011 prangt in einem der größten Hundeforen des Landes ein denkwürdiger Satz. Man muss ihn sich auf der Zunge zergehen lassen: »Meine zwei Fellnasen sind einzeln schlafend, weil der NLH mit dem N3 nicht tiefenverknüpft ist.«

Die Zeit danach ist ausgesprochen vergnüglich. Innerhalb kürzester Zeit beglückt das Thema Vererbte Rudelstellungen die Leser des Polarchat-Forums mit 4.700 Kommentaren und drei Spezialfalldiskussionsablegern. Wir Ottonormalhundehalter liegen derweil auf dem Boden und brezeln uns weg vor Lachen.

Bastel dir einen Ennellha.

Die Hunde der versammelten Sektenjünger heißen nicht mehr Lena, Emma oder Bruno, sondern MBH, VLH oder N2. Weil jeder Hund – so geht die Mär – in eine von sieben Stellungen hineingeboren und dort sein Leben lang bleiben wird. Er ist entweder vorrangiger Leithund (VLH), vorrangiger Kundschafter (V2), vorrangiger Wächter (V3), mittlerer Bindehund (MBH), nachrangiger Kundschafter (N2), nachrangiger Wächter (N3) oder nachrangiger Leithund (NLH). 

Welche Geburtsstellung eingenommen wird, wenn ein Wurf nicht sieben, sondern nur vier oder gar elf Welpen ausweist, wird lieber nicht ausgeführt. Wer hält sich schon mit albernen Kleinigkeiten auf? Viel wichtiger ist die Erkenntnis, dass sich alle Probleme sofort in Luft auflösen, wenn man die Position seiner Hunde im Rudel kennt.

Während wir also mit unseren doppelbesetzten Stellungslosen auf dem Sofa Kekse futtern, rennen beseelte Rudler knurrend und fixierend zwischen ihren Hunden herum, um einen fehlenden NLH eigenkörperlich zu ersetzen. 

Das liest sich im Original so: „Jetzt wollte ich aber dafür sorgen, dass der N2 nicht mehr vor den MBH geht und hab ihn angeknurrt als er den MBH überholen wollte. Er ließ sich aber überhaupt nicht nach hinten bringen, als ich ihn mit dem Körper blockte, ist er seitlich ausgebrochen. Ich hab’s auch nicht geschafft, ihn durch fixieren nach hinten zu holen.“

Öfter mal einen Småslug aufs Skateboard nageln.

2012 sorgen Auszüge aus den Rudelthreads für ausgelassene Heiterkeit auf meinen Lesungen. Insbesondere die Empfehlung, einen IKEA Plüschhund ins Rudel zu packen, wenn zwischen V2 und MBH eine Lücke klafft, beschäftigt die Gemüter. Soll man sich lieber Hoppig, den Berner Sennenhund, oder Småslug, den Dackel, zulegen? Soll man das Stofftier beim Gassigehen zu Hause lassen oder zum Wohle des Rudels mitführen? Wenn ja, wie? Auf ein Skateboard genagelt? In Köln oder Bad Segeberg, ich erinnere mich nicht mehr so genau, welche Lesung es war, wird die erste Rudelbrücke zum Automobil geschlagen: „Ganz klar, du brauchst einen N3.“ – „Ich hätte aber lieber einen X5.“

Kurz darauf verkrachen sich die Rudler nach allen Regeln der Kunst, spalten sich und verlassen das Forum unter donnerndem Getöse. Eine eigene Plattform wird erschaffen. Mit vereinten Kräften und unter eigensinniger Umgehung jeglichen Lektorats verfasst man unter der kettenrauchenden Leitung Barbara Ertels das Buch zur Stellung. Das wird prompt so unlesbar, dass alle renommierten Fachverlage die Finger davon lassen. 

Nach der Wiederauferstehung knallt's.

Im Januar 2013 kehrt Ruhe an der Rudelfront ein. Vermutlich lesen alle DAS BUCH. Ich muss meine Lesungen umbauen. Den Part mit gesammelten Erziehungsmerkwürdigkeiten in Wald und Flur übernehmen netterweise die Damen von Trainieren statt Dominieren. An dieser Stelle einen ganz herzlichen Gruß.

Im Frühjahr 2014 tauchen die Rudler erneut in der Öffentlichkeit auf. Im Fernseh! Wir holen das Popcorn raus und schlagen uns auf die Schenkel vor Vergnügen. Zu verdanken haben wir das der rudelaffinen Frau Nowak. Sie hat – so will es die Legende – alles, was sie weiß, von einem russischen Hunderudel gelernt. Das passt. Zwei vorrangige Leithündinnen auf einem Platz? Das passt nicht. Noch bevor die Popcorntüte ganz leer ist, haben sich die Damen Nowak und Ertel auseinandergelebt. 

Heute geht jede wieder ihrer eigenen Wege. Frau Nowak hat wissen lassen, dass – bitte anschnallen! – der VDU (Verbund der unabhängigen Wegbereiter für Mensch-Hund-Kommunikation) in naher Zukunft die Typen Leithund, Kundschafter, Wächter und Zentralhund wissenschaftlich untersuchen wird. Wehe, ich höre jetzt ein Muhaha!

Hinten ist alles okay.

Frau Ertel schätzt wie gehabt auf Deutschlands Hundewiesen und Asphaltparkplätzen gegen eine stramme Gebühr Vierbeiner ein und weist auf die strenge Parkordnung hin. Die Jünger haben in sauberer Rudelstellung zu parken. Nicht auszudenken, welchen Schadenverlauf es nähme, stünde ein noch nicht eingeschätzter Hund zwischen einem N3- und einem V2-Transporter.


Im Nieselregen unterm Zelt stehen derweil erwachsene Menschen und sehen ab hundertfünfzig Euro aufwärts der Frau Ertel beim Rauchen zu. Anschließend labern sie in Dauerschleife auf ihren MBH ein. Damit der unterwegs keinen Stress mit der Verbindung von hinten und vorn hat: „Hinten ist alles okay und vorn kommen gleich Kühe, Schatz." Sehr witzig.

2.000 auf den Gestromten.

Gelegentlich wird ein Kandidat noch auf dem Platz mit anderen Rudlerhunden vergesellschaftet. Er soll endlich erleben dürfen, wie sich ein Leben in Frieden und Harmonie anfühlt. Je nach Laune der Eingeschätzten geht das auch schon mal ordentlich in die Hose. Übrigens: In den Pits von Mexiko gibt es diese Form der „Vergesellschaftung“ schon lange. Da setzt man 2.000 Dollar auf den Braungestromten und sieht zu, dass man hinterher nicht verhaftet wird. Nicht so witzig. 

Andere Seminaristen wiederum bringen nach der Veranstaltung einen ihrer zwei Hunde ins Tierheim, weil die Alpharudlerin ihnen zwischen zwei tiefen Lungenzügen mitteilt, dass sie einen Fehlbesatz haben und die Hunde sofort trennen müssen. Gar nicht witzig! 

Das alles kann man lustig finden. Man kann es aber auch zum Kotzen finden. Die Idee, Geschöpfe wegen ihrer Genetik aus der Gemeinschaft auszusortieren, ist nicht neu. 



Auszug aus: Stefan Niggemeier, Des Rudels Kern, November 2014, krautreporter.de


Alle Hintergründe ohne irritierendes Sektengemurmel auf rudelstellungen-klargestellt.de. Die Filme zum Popcorn gibt es auf Videoleaks. Nur für den Fall, dass euer Zahnarzt den Wurzelbehandlungstermin abgesagt hat, ihr euch aber trotzdem den Tag versauen wollt. 



© Michael Frey Dodillet | Die Krawallmaustagebücher 2014 | Aktualisierte Fassung 2017



Samstag, 4. Februar 2017

Wiki.





Ich halte die eine Seite des Pizzakartons in der Faust, Wiki hat seine Zähne in der anderen vergraben. Wir starren uns in die Augen und machen beide ambitioniert RRRRRRRRRR. Zwischen uns ein blasser Aufdruck von Positano, aufgenommen von der Meerseite. In den Wellen dümpelt eine unansehnliche Pizza Funghi.

Es sieht nicht so aus, als trüge Wiki übermäßig Trauer. Zumindest nicht, wenn ihm einer die kitschige Pizzapappe wegnehmen will, in die er alle zweiundvierzig Beißerchen geschlagen hat. Oder wenn er am Mauseloch in meinen Schuh hackt, der ihn stupsend zum Weitergehen anregt. Oder – „Tschulldigung!“ – ungebremst in einen Hundeschulhaufen platzt, der gerade erzogen werden soll. Oder mit fliegenden Ohren und riesigen Sätzen neben dem Fahrrad galoppiert. 

Überhaupt das Fahrradfahren. So entspannt war ich in den letzten zwölf Jahren nie unterwegs. Ich hänge Wikis Leine an den Lenker und lasse mich durch den Wald ziehen. Na gut, ein Brahmahuhn dürfte immer noch nicht kommen. Aber ansonsten jeder Hund! Kein einziges Mal muss ich die Leine in die Hand nehmen, um einem Überschlag vorzubeugen. Wiki will sich am Rad einfach nicht prügeln. (Von hieraus einen ganz lieben Gruß an meine im Jenseits fröhlich weiterkloppende Krawallmaus. Nein, du Vogel, die Rippenprellungen vermisse ich nicht.) 

Seinen stoischen Gleichmut in Artgenossenangelegenheiten rechne ich Wiki hoch an. Immerhin ist er sechs Jahre lang neben einer Atompilzin hergelaufen. Er hat sich von ihren Macken nicht beeinflussen lassen. Stattdessen hat er eigene entwickelt. Zähne in Pizzapappen schlagen und rumpesten zum Beispiel.  

In diesen Tagen hat er aber auch ruhige Momente. Da guckt er still aus dem Fenster oder ringelt sich für lange Zeit im Sessel ein. Mit einer ordentlichen Portion Sentimentalität könnte man sagen, er ist traurig und vermisst Luna. Vielleicht ist er aber auch einfach nur ein wenig verhaltener als sonst, weil wir alle verhaltener sind. Er wird derzeit häufig zum Schmusen abkommandiert. Zu diesem Zweck zwingt man ihn gnadenlos aufs Sofa. Zwingen ist gut. Man muss nur ein bisschen mit der Zunge schnalzen, schon schießt er quer durchs Zimmer und hopst einem auf den Bauch. Dann legt er einem die Nase in die Halsbeuge und schnauft hinein. Das ist schöner als Kondolenzpost.

Ich bin überzeugt, er hat schon einige Zeit vor uns Abschied von Luna genommen. Hunde wissen, wenn mit dem anderen etwas nicht stimmt. Sie spüren den epileptischen Anfall lange, bevor er kommt, oder warnen vor einer drohenden Unterzuckerung, bevor diese tatsächlich eintritt. Vielleicht hat Wiki ja gerochen, dass da ein Blutgefäß in Lunas eigensinnigem Quadratschädel mit der Zeit immer dünner wurde. Drei Tage vor ihrem Tod hat er sich jede Nacht in ihr Körbchen gemogelt und sich zwischen ihre Vorder- und Hinterläufe gekuschelt. Die Alte hasste das sonst. Nachts war ihr der kleine ADHSler immer viel zu nervös. Aber in diesen drei Nächten hat sie es zugelassen.

Was ihm definitiv fehlt, ist das Rumnagen an Lunas Halsschwarte. Das praktizierte er zu Lebzeiten seiner großen Freundin jeden Tag mindestens ein Mal. Als hätte es ihm der Arzt verschrieben.

1 x tgl. an Lunas Halsschwarte rumnagen N3

Er riss jedes Mal sein Schnäuzchen so weit auf wie es nur ging und grub es tief in ihr Fell. Das ganze Maul war voll davon. Er kaute schmatzend darauf herum und brummte dabei wie ein dickes Insekt. Luna hat immer leicht genervt die Augen verdreht und gewartet, bis die Hornisse fertig war. Aber sie hat es ihm durchgehen lassen. Jeden Tag aufs Neue. Ich stehe dafür leider nicht zur Verfügung. Ich habe kein Fell und blute leicht.

An Weihnachten haben wir bei uns zu Hause eine Photo Booth mit vier Verkleidungskisten aufgestellt. Damit es endlich mal schicke Fotos von allen Familienmitgliedern gibt. Vor allem die Redneck-Basecap mit der integrierten Vokuhila wurde gern genommen. Dass die letzten Fotos von Luna dermaßen albern waren, sagt auch was aus. Vielleicht nichts über die Kompetenzen ihrer Halter. Aber über die Lebensfreude aller, die mit Luna unter einem Dach lebten – und von Wiki wegen Pillepallekram wie Pizzapappe oder Mauseloch gebissen werden.






„Und für den biometrischen Personalausweis jetzt mal ein bisschen ernster gucken."



Samstag, 28. Januar 2017

Luna.


„Also wenn Sie einen Ruhigen wollen, würde ich den da drüben empfehlen“, sagt die resolute Bauersfrau. Sie zeigt auf einen fässchenartigen Mini-Rottweiler mit Schäferhundohren. Der kleine Rüde liegt im Welpenhaufen und deutet mit einem Gähnen an, dass ihm alles, wirklich alles glatt am Arsch vorbei geht.

Es ist Januar 2005. Unsere Familie arbeitet seit einem halben Jahr an dem Projekt Familienhund Labrador. Wir 
durchpflügen das Labbiinternet, wälzen Labbifachbücher, quatschen Labbibesitzer an, besuchen Labbizüchter, besichtigen Labbiwelpen. Dann kommt uns ein Zettel am schwarzen Brett des Raiffeisenmarktes in Düsseldorf-Unterbach dazwischen. Neben einem Foto steht: Rottweilerschäferhundmixwelpen abzugeben. Och, denken wir, Rottweilerschäferhundmixwelpen sehen aber auch süß aus.


Regel #1 aus dem Leitfaden
„Wie man sich auf gar keinen Fall einen Hund aussucht“ 
Pfeif auf Rasseeigenschaften! Hauptsache süß.


Tags darauf stehen wir vor einem geräumigen Zwinger auf einem Bauernhof, in dem eine robuste Rottweilermama ihren 14-köpfigen Nachwuchs aufs Leben vorbereitet. Die kleinen Rüden sehen wie pummelige Rottweilerchen im Schäferhundpelz aus, die Hündinnen wie zarte, rottweilerfarbene Schäferhündchen. Ihre Existenz verdanken sie einer Laune der Natur. Die Bauersfrau hat den Bauern ermahnt, er solle auf den Hofhund aufpassen, die Hofhündin sei läufig. Worauf der Bauer Jajaja gebrummt und nicht auf den Hofhund aufgepasst hat. Dreiundsechzig Tage später kugeln 14 emotionsflexible Andersbefähigte aus der Hofhündin heraus und werden von ihr dick und rund gestillt.


Regel #2
Selbstverständlich zeichnet sich auch ein Ups-Wurf 
vom Bauernhof durch große, züchterische Sorgfalt aus.


Meine Frau und ich stieren wie hypnotisiert in den wilden Knutschbärenhaufen. Wir stehen eindeutig unter Zuckerschock. Der Vater, ein riesiger Schäferhund, randaliert etwas abseits. Es ist nicht ganz klar, welche landwirtschaftlichen Gerätschaften er zerlegt. Den Traktor? Den Maishäcksler? Es klingt jedenfalls imposant. Sein Nachwuchs sieht gebannt zu. Wie kleine Jungs, die wie angewurzelt an Baustellen stehen und Baggerfahrer werden möchten. Wunderbar, denken wir, der Vater wirkt ja kerngesund und lebhaft.


Regel #3 
Sieh dir die Eltern genau an! 
Falls du Macken entdeckst, rede sie dir schön.


Die Mutter ist weniger lebhaft. Sie betrachtet uns beide mit der zähneknirschenden Seelenruhe, die Rottweilerinnen innewohnt, und beschließt nach einer Weile, dass wir den Zwinger betreten dürfen. Ihre Kinder mustern uns verhalten. Bis auf eins. Das kegelt ihre 13 Geschwister beiseite und springt meiner Frau direkt auf den Schoß. 

Der alles entscheidende Moment! Erfahrene Hundehalter würden jetzt den aufdringlichen Fratz souverän beiseite schieben und zur Bäuerin sprechen: „Gnä’ Frau, ich brauche keine wandelnde Abrissbirne, sondern einen Hund. Kann ich mal den ruhigen Rüden da drüben sehen?“ Ahnungslose Anfänger wie wir sind hingegen nur noch zu infantil-verzücktem Quietschen in der Lage: „Sie hat uns ausgesucht! Ist das nicht süüüüüß!“


Regel #4
Sei ein bisschen doof! 
Sei auf jeden Fall ein bisschen doof!


Das ist übrigens der Augenblick, wo die Bäuerin den legendären Satz mit „dem Ruhigen da drüben“ spricht. Und wir? Wer wolle schon einen ruhigen Hund, krakeelen wir launig, wir seien doch selber nicht ruhig, die Eltern seien nicht ruhig, die Kinder seien nicht ruhig, ein ruhiger Hund sei das Letzte, was diese Familie brauche.

Wir nehmen die Abrissbirne mit und taufen sie Luna. Dass das Wegkegeln anderer Lebewesen (Fische ausgenommen) keine niedliche, einmalige Welpenaktion ist, sondern Lunas geheiligtes Lebensprinzip, begreifen wir sehr viel später dann auch. Luna kariolt eigensinnig und vergnügt durch ihr Leben und krempelt unseres total um. Ihr wisst alle, was dabei herausgekommen ist:


Wegkegeln 2005 bis 2009.

Wegkegeln 2010 bis 2013.

Wegkegeln 2014 bis 2016.


Die Süße bleibt sich treu bis zum Schluss. Am Samstag stirbt sie mit zwölfeinviertel auf ihrer Lieblingshunderunde. Kurz nachdem sie sich fürchterlich über Bauer Diermanns Wolfi aufgeregt hat, weil … weil … JA WEIL HALT! Als ob Luna jemals in ihrem Leben einen Grund gebraucht hätte, um sich in einen Atompilz zu verwandeln. Hundert Meter später torkelt sie und kippt auf die Seite. Auf dem Weg zum Tierarzt brummelt sie noch einmal tief. Dann ist sie tot. Der Tierarzt vermutet eine geplatzte Ader im Gehirn. Aber wer weiß das schon. Es ist auch nicht wichtig.

Diese wunderbare Hündin schießt genauso aus unserem Leben wie sie hineingeknallt ist. Mit Liebe, Wucht und ganz dickem Schädel. Selbst die Beerdigung ist wieder mal typisch für sie. Das Fleckchen Erde im Garten, das sie am liebsten hatte, stellt sich beim Graben als extrem widerspenstig heraus: roter, knallharter, mit Bruchstein versetzter Lehmboden. Ich ackere vier Stunden wie ein Besessener. 

Glaubt mir, sie hat mir dabei zugesehen. Ich habe die ganze Zeit ihren Blick in meinem Rücken gespürt. Es war derselbe Blick, den sie mir in so vielen Hundeschulstunden zugeworfen hat, wenn sie mich mal wieder nach allen Regeln der Kunst vor dem Krause auflaufen ließ. Dieser leicht verwunderte Blick aus ihren schönen, tiefbraunen Augen: „Du hast nicht wirklich geglaubt, dass es einfach wird, oder?“

Mach’s gut, meine wilde Wutz!
Danke für alles.




Freitag, 13. Januar 2017

Facebookkotze.








Weil nach unserem Socialnetworkabtauching viele gefragt haben: Alles gut, danke, uns geht’s prima. Die vereinigten Hobbyhitler haben mich nicht zum Schweigen gebracht; die Hunde nehmen nach wie vor das Viertel auseinander; unsere Laune ist ganz ausgezeichnet. Nur dass Wiki halt Facebook aufgefressen hat.

Danach hat er das gallengelbe Zeug auf den Rasen gekotzt und mich nicht mehr rangelassen. Den Film müsst ihr euch ansehen. Der Knabe kennt nix! 
Keine Ahnung, ob ich jemals wieder facebooken darf. 

Sonntag, 11. Dezember 2016

Die Chefin musste mal kurz nacharbeiten.





Wer schon etwas länger dabei ist, erinnert sich vielleicht an den Oktober 2010. Da führte Luna mit Wiki ein fünfsekündiges Zielvereinbarungsgespräch. Im Wesentlichen ging es um ihren vollen Futternapf und um die überflüssige Anwesenheit kleinerer Vollpfosten während der Mahlzeiten. Anschließend haben wir den Dude zum Nähen getragen.


Eine Woche lang trug er ein violettes Leibchen und den Kragen der Schande (Symbolbild siehe oben). Die Hunde im Viertel brezelten sich jedes Mal weg vor Lachen. Dies und die Vehemenz von Lunas Gesprächsbeitrag hat dem Einlauf eine wirklich außergewöhnliche Nachhaltigkeit verliehen. Sechs Jahre lang gab es keine einzige Diskussion mehr um Speis und Trank. 

Freitag, 9. Dezember 2016

Gestatten, Hartmann.


Die aufmüpfigen Hunde und ich – wir haben uns zehn Jahre lang den Arsch aufgerissen und es wurde nicht besser. Jetzt machen wir seit zwei Jahren gar nichts mehr und es wird nicht schlechter. Wir stolpern quasi erzieherisch unbelästigt durch den Wald. Jeder kann in Ruhe seinen Hobbys nachgehen. Luna pöbelt wie die wilde Wutz und mobbt alles, was kleiner als Bratwurst ist. Wiki buddelt ein Loch und beißt jeden, der es ihm wegnehmen will. Ich denke mir Romanfiguren aus. Vorzugsweise solche, die genug auf dem Kasten haben, um 300 Seiten Spaß zu machen. Hartmann ist so eine. Er erscheint im Juli 2017 und seine Geschichte beginnt so:

Die fette Elster schoss wie ein Torpedo in das Amselnest unter dem Giebel und schmiss die Jungvögel raus. Einer nach dem anderen klatschte acht Meter tief ins Blumenbeet. Darin befand sich nichts, was den Fall dämpfen konnte. Ein paar dürre Ginsterstängel, ein ausgemergelter Bodendecker. Wer ganz großes Pech hatte, landete in einem alten Rosenstock, der außer nadelspitzen Dornen nichts zu bieten hatte. Perfektes Massaker, dachte Hartmann und drückte mit dem Ende seiner Gabel den Korken in die Chardonnayflasche. Später am Abend käme Nachbars Katze und räumte die Opfer weg. So rührend sorgte Mutter Natur für ihre Kinder.

Sonntag, 28. August 2016

Blog geschlossen. Hund perfekt.



Himmel, was habe ich gekämpft in den letzten Jahren, um Lunas Ausraster in den Griff zu kriegen! Kumuliert lag ich bestimmt vier Tage am Stück auf der Schnauze. Ganz zu schweigen von den Narben, die ich bei Beutescharmützeln mit Wiki davongetragen habe.

Mein Jogging-Vorsatz seinerzeit in Frankreich hielt genau 200 Meter. Dann musste ich kurz anhalten und Luna mit festem Fuß auf der Leine am Boden fixieren, um einen Cocker unbeschadet passieren zu lassen. Luna stand damals einfach auf und fegte mich aus dieser Welt. Wochenlang ging ich mit einer orthopädischen Kniestütze spazieren.

Dienstag, 5. Juli 2016

Da darf jetzt kein Brahmahuhn kommen.




Bei Jackass hieß es früher immer: «Die folgende Sendung zeigt Stunts, die entweder von Profis oder unter der Aufsicht von Profis durchgeführt wurden. MTV und die Produzenten müssen darauf bestehen, dass weder einer der Stunts noch irgendeine andere in dieser Show gezeigte Aktivität nachgeahmt wird.» Dasselbe gilt für den oben abgebildeten, einhändig abfotografierten Akt des unkontrollierten Wahnsinns.


Der letzte Satz war Spaß. Es versteht sich natürlich von selbst, dass ich Dogbiking nur mit einem absolut wesensfesten Hund betreibe. Also nicht mit Luna! Derart freizügig an der Strippe gehalten würde die mit mir unentwegt nach links oder rechts abbiegen, um zwischen Start und Ziel Hunde zu verkloppen. Vorzugsweise Krakeeler, die in eine Teetasse passen und in ihren Augen eine Gefahr für den Weltfrieden darstellen. 

Montag, 27. Juni 2016

Austherapiert.




Zusammengerechnet versuche ich jetzt seit 17 Jahren, meine zwei Problemhunde gesellschaftskompatibel zu machen. Sie nehmen es mir nicht übel. Ganz offensichtlich leben sie gerne mit einem Totalversager zusammen. Meine Bemühungen quittieren sie mit entspannter Haltung (siehe oben) und einem betont lässig dahingeworfenen: „Gefügig? Wotzefack!“

Ich habe meine Hände mit Blutwurstgrütze eingerieben und mich in der Baumschule zum Affen gemacht. Ich habe gejohlt und gezerrt, als erster aus dem Napf gefressen und die Hunde beim Treppensteigen hinter mich gezwungen. Ich habe stillgestanden wie ein Laternenpfahl und endlose Minuten gewartet, bis der Hund von selber das Pöbeln einstellt, weil ich Fehlverhalten nicht korrigieren, sondern nur das Positive verstärken durfte.

Sonntag, 15. Mai 2016

Gelebter Naturschutz.





Liebes Fräulein Rottmeier,


ich schüttle mich lieber drinnen als draußen. 
Ist das in Ordnung? Danke für eine schnelle Antwort.

Balou (Briard)